Respiro - Musik, die berührt, In Memoriam Walter Nater (1938 - 2012)

Die Beschleunigung in der Musik

Mit dem Verlust des pulsierenden Taktes ging auch eine Beschleunigung des Tempos einher: Gleichmässige, nicht pulsierende Tonfolgen wirken -im langsameren Tempo- bald einmal langweilig, weshalb man das Tempo beschleunigte. Dazu kommt eine dauernde Verbesserung der Spieltechniken und des Instrumentenbaus, die das übersteigerte Tempo überhaupt erst ermöglichten.

Heute liegt der Schwerpunkt der Musik auf andern Kriterien als früher: Präzision, Schnelligkeit und ausgefeilte Spieltechnik sind die wichtigsten Massstäbe für die Qualität einer Interpretation – also die äusseren, messbaren Merkmale. Früher standen die inneren Werte, also Empfindung und Ausdruck im Vordergrund. Carl Philipp Emanuel Bach beschrieb das so:

Mich deucht, die Musik müsse vornehmlich das Herz rühren, und dahin bringt es ein Klavierspieler nie durch blosses Poltern, Trommeln und Harpeggieren....

(Burney 1773)

Dieses Zitat des zweiten Sohnes von Johann Sebastian Bach belegt, dass bereits zu dieser Zeit die Virtuosen die Musik als Selbstzweck missbrauchten. Es gab also damals schon Leute, die ihre mangelnde musikalische Empfindung mit Tempo wettmachten. So ist auch von keinem Geringeren als Beethoven selber der Satz überliefert:

Mit der Geläufigkeit der Finger laufe solchen Herren gewöhnlich Verstand und Empfindung davon.